Nachbilder / Powidoki

Sonntag 26.11. um 17.00 Uhr im Lumiere

Polen 2016, 98 Min.
Polnische Originalfassung mit englischen Untertiteln
Regie: Andrzej Wajda
D.: Boguslaw Linda, Bronislawa Zamachowska, Zofia Wichlacz

Der letzte Film des großen polnischen Regisseurs Andrzej Wajda erzählt von den letzten Lebensjahren Wladyslaw Strzeminskis, einem führenden Avantgardekünstler im Polen der Zwischenkriegszeit. Als Dozent an der Kunsthochschule in Lodz gerät er ab 1948 in die Mühlen der neuen Kunstdoktrin namens sozialistischer Realismus. Während sich die stalinistische Herrschaft wie eine Bleidecke über Osteuropa legt, versucht Strzeminski, seinen persönlichen Überzeugungen wie seiner ästhetischen Linie treu zu bleiben. Einst arbeitete er mit Malewitsch und Chagall zusammen, jetzt verlangt die Parteidoktrin simple Botschaften zur Agitation der Massen. Es scheint ein aussichtsloser Kampf, den Strzeminski kämpft.
Mit dem brillanten Boguslaw Linda in der Hauptrolle als Künstler, der sich nicht verbiegen lässt, und der authentischen Rekonstruktion des Polens der Nachkriegszeit gelang Wajda noch einmal ein großer Film. Sein leidenschaftliches Plädoyer für die Freiheit der Kunst ist gleichzeitig von aktueller Relevanz angesichts der heutigen rechtspopulistischen Regierung in Polen, die die Kultur unverhohlen unter ihre Kontrolle zu bringen sucht.

Die Migrantigen

Sonntag 26.11. um 17.00 Uhr im Alfred-Hessel-Saal

Österreich 2017, 95 Min.
Regie: Arman T.
D.: Faris E. Rahoma, Aleksandar Petrovic, Doris Schretzmayer, Josef Hader

Benny und Marko sind zwei Österreicher mit ausländischen Wurzeln, völlig integriert und sogar mit Wiener Schmäh ausgestattet. Als sie in einem Wiener Stadtviertel mit hohem Ausländeranteil ein Sofa durch die Gegend tragen, werden sie von der Journalistin Marlene Weizenhuber angesprochen. In ihnen sieht sie die perfekten Darsteller für eine neue Reality-TV-Show, in der es um das Viertel und ihre Bewohner gehen soll. Und weil Benny gerade kein Engagement als Schauspieler und Marko Probleme mit seiner Werbeagentur hat, täuschen die Freunde vor, arbeitslose Kleingangster mit Migrationshintergrund zu sein. Anfangs geht alles gut, doch dann gerät alles ziemlich aus den Fugen. Und irgendwann realisieren die Beiden, auf was sie sich da eingelassen haben.
"Schon lange nicht mehr nahm ein Film bekannte Vorurteile über Migranten und Asylanten derart sarkastisch und pointiert aufs Korn. Die schwungvolle Sozial-Komödie kritisiert Schubladendenken, Engstirnigkeit und fehlende Toleranz. Und auch das Genre der banalen, pseudo-realistischen Doku-Soaps, bekommt sein Fett weg." (programmkino.de)Der Film erhielt auf mehreren Festivals den Publikumspreis.

Gauguin / Gauguin - Voyage de Tahiti

Sonntag 26.11. um 19.00 Uhr im Lumiere

Frankreich 2017, 102 Min.
Französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Regie: Edouard Deluc
D.: Vincent Cassel, Tuheï Adams, Malik Zidi

Weil er sich von seinen Mitmenschen nicht verstanden fühlt und an den strengen Regeln seiner Zeit zu ersticken droht, lässt der französische Maler Paul Gauguin seine Frau Mette und die gemeinsamen Kinder zurück und flüchtet aus dem Paris des Jahres 1891 nach Französisch-Polynesien ins heutige Tahiti. Im selbstauferlegten Exil lebt er mit den Eingeborenen im Dschungel und verliebt sich in die junge Tehura, die schließlich seine Frau und Muse und das Modell für seine berühmtesten Bilder wird. So erlangt er seine Inspiration zurück und entwickelt fernab des von rigorosen Vorschriften geprägten Europa eine ganz neue Kunstrichtung. Doch im Dschungel warten auch Armut, Einsamkeit, Hunger und Krankheit auf Gauguin und Tehura.
Der charismatische Filmstar Vincent Cassel (BLACK SWAN) verkörpert perfekt den Postimpressionisten Gauguin. Ein an Originalschauplätzen gedrehtes und bewegendes Biopic über einen großen Meister der Malerei.

Die Sanfte / Krotkaja

Sonntag 26.11. um 19.00 Uhr im Alfred-Hessel-Saal

Litauen, Russland, F, D 2017, 142 Min.
Russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Buch und Regie: Sergej Loznitsa
D.: Vasilina Makovtseva, Valeriu Andriuta, Sergei Kolesov, Dmitrij Bykovskij

Frei nach Motiven der gleichnamigen Erzählung von Dostojewski: DIE SANFTE erzählt die Geschichte einer Frau, die in einer russischen Kleinstadt lebt. Eines Tages erhält sie ein Paket mit dem Vermerk "Zurück an Absender". Dieses Paket hatte die Frau an ihren inhaftierten Mann geschickt. Der einzige Weg herauszufinden, warum es zurückkam, ist direkt im Gefängnis nach Antworten zu suchen. Und so begibt sich die Frau auf eine lange Reise zu dem weit entfernten Gefängnis. Sie trotzt Gewalt und Demütigungen und lässt sich nicht abweisen. Es ist ein Kampf gegen eine schier uneinnehmbare Festung, das Gefängnis, welches die in der Gesellschaft tief verwurzelten Kräfte des Bösen symbolisiert.
Regisseur Sergej Loznitsa zeichnet ein ebenso eindrückliches wie pessimistisches Porträt des heutigen Russland. Allein seine Titelheldin ist eine warmherzige Figur, die niemals aufgibt. Das unerwartete Finale des Films ist eine waghalsige, surreale Allegorie zwischen Wunschtraum und Albtraum.

Underdog / Fehér isten

Sonntag 26.11. um 21.00 Uhr im Lumiere

Ungarn 2015, 121 Min
Deutsche Fassung
Regie: Kornél Mundruczó
D.: Lili Horváth, Sándor Zsótér, Szabolcs Thuróczy

Alles beginnt mit einer scheinbar harmlosen Maßnahme: Mischlingshunde werden in Ungarn mit einer hohen Steuer belegt, woraufhin massenhaft Hundebesitzer ihre ungeliebten Bastarde loswerden wollen. Bald sucht die dreizehnjährige Lili verzweifelt ihren geliebten Mischlingshund Hagen, den ihr Vater ausgesetzt hat. Hagen hat sich inzwischen einem Rudel Streuner angeschlossen und muss schmerzlich erfahren, dass nicht alle Menschen seine besten Freunde sind. Doch seine Intelligenz ist erwacht und bald schart er eine Armee von herrenlosen Hunden um sich, die die Macht über die Straßen von Budapest übernehmen. Lili ist die Einzige, die den unerbittlichen Krieg zwischen Hund und Mensch noch aufhalten kann.
Kornel Mundruczós ungewöhnlicher Thriller erinnert entfernt an die "Planet der Affen"-Serie, hat aber einen ganz eigenen Stil. Spektakulär und packend inszeniert, ganz ohne Computer-Tricks, ist sein Film auch eine treffende Allegorie auf die politische Situation im heutigen Ungarn, wo sich Minderheiten aller Art zunehmend aggressiver Verfolgung ausgesetzt sehen.